Was gibt es schöneres als Gewohnheiten oder Traditionen? Das sind Dinge oder Ereignisse, bei denen man sich wohl fühlt, weiß was passiert und sie immer wieder gerne wiederholt. Und genau deswegen gab es bereits zum 5. Mal das Thema „Mehr Meer“ beim inzwischen 20. Bannerworkshop. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Es ist noch gar nicht so lange her mit meinem 1. Workshop in Kiel – das war 2015.
Bereits im September 2025 begann ich neue Vorlagen für die Neuauflage „Mehr Meer“ zu suchen. Natürlich gab es bisher schon genug Pflanzen, Fische, Schatten und Deko, doch es soll ja nicht langweilig werden ;-) Und plötzlich hatte ich einen Lauf und eine wunderschöne neue Pflanze entstand nach der anderen am Computer. Und so hatten die Teilnehmer bis Dezember die schwere Aufgabe, sich aus über 30 Pflanzen, 20 Fischen und vielem mehr, ihr Wunschbanner zusammen zu stellen. Jeder bekam per Mail dann sein Design digital geschickt. Und daran wurde so lange gefeilt, bis es genau allen Wünschen entsprach. Bis auf den Frosch, den es auch in diesem Jahr nicht gab – sorry Cathrin. Im Januar begann dann die heiße Phase der Vorbereitung. Ca. 2400 individuelle Teile (plus viiiiiele kleine Punkte) wurden geschnitten, gefaltet und verpackt. Das ist deutlich aufwändiger und anstrengender als ein Adventskalender zum Beispiel, weil jedes Teil irgendwo anders ist. Hier ist die Pflanze einen Tick größer, hier ist sie gespiegelt und beim dritten liegt sie in der Stabtasche und muss gespiegelt angesetzt werden. Kurzum: Es ist wochenlanger Dauerdenksport angesagt.
Am 13. Februar ging es dann endlich los. Das Auto war schon am Vortag gepackt worden – mit gefühlt dem halben Hausstand. Unglaublich, was da immer alles eingepackt werden muss. In Haltern angekommen, organisierte ich im Büro vom Gilwell ganz schnell alle Zimmerschlüssel und fuhr zur Lord Robert Hall. Hier waren schon viele Teilnehmer anwesend und warteten auf meine Instruktionen. Mit neuer Tischordnung sollte es in diesem Jahr noch einfacher zu arbeiten sein. Pünktlich um 16 Uhr waren tatsächlich alle anwesend und alle Zimmer bezogen. Es konnte losgehen. Nach meiner traditionellen Ansprache mit Begrüßung aller neuen Teilnehmer, gab es für jeden einen dicken Karton und es konnte losgehen. Die in diesem Jahr neu-gedachte Welle war nicht so einfach, wie ich es mir erhofft hatte. Aber man lernt ja nicht aus. Überall wurde gesteckt, genäht und freigeschnitten – alle waren schwer beschäftigt. Bis in den tiefen Abend lief ich von einem Tisch zum anderen, beantwortete Fragen und gab hier und da eine Hilfestellung. Insgesamt lief es aber noch runder als in den letzten Jahren. Die Teile werden einfach immer einfacher zu positionieren. Deswegen gab es auch keine langen Staus an den Lichttischen, denn die Extra-Tische an jedem Nähplatz boten genug Platz um die meisten Teile vor Ort zusammenzulegen. Zum Glück glaubt ja niemand an Flüche wie Freitag den 13., sonst hätte man bei so manchem Unglück abergläubisch werden können. Aber ein durchnähter Finger (!!!) und eine von alleine herunterfallende Materialkiste mit viiiel Kleinkram, waren nur kleine Anzeichen.
Meiner Einladung zu einem geselligen Abend waren viele gefolgt und hatten Schnaps, Wein, Käse, Cracker, Dip und selbst geräucherten Käse mitgebracht. Boar, war das alles lecker. Quatschend saßen wir lange zusammen und haben neben der Näherei die Zeit miteinander genossen – vielen Dank!
Der Samstag fing für mich nach dem Frühstück um 9 Uhr an und ging bis in die Nacht hinein. Den ganzen Tag wurde genäht, gelacht, geflucht, aufgetrennt, freigeschnitten und gefragt. Formulierungen wie „Ich hab da mal ne Frage“, „Nur eine kleine Frage“ „Kurze Frage“ oder „dumme Frage“ waren oft zu hören. Deswegen wurden die Teilnehmer immer kreativer. Manche riefen „Papaaaa“, weil sie merkten, dass ich bei meinen Töchtern besser höre. Andere warteten, bis ich vorbei kam und riefen dann „Ach wenn du gerade eh da bist“. Also nicht nur das Nähen, sondern auch die Fragestellungen werden immer kreativer. Ihr seid super. Auch den Samstag beendeten wir mit einer geselligen Runde. Manche nutzten die späten Stunden aber auch, um noch weiter zu nähen – der Ehrgeiz war ungebrochen.
Sonntagmorgen strahlte die Sonne durch die Lord Robert Hall und brachte richtig gute Laune. Viel geschlafen hatte niemand, aber emsig wurde weiter gearbeitet. Und leider kam das Mittagessen viel zu schnell – und somit das Ende vom Workshop. Denn traditionell wird nach dem Essen nur noch aufgeräumt. Und so trafen wir uns bei strahlendem Sonnenschein in der Kälte und machten ein Abschlussfoto. Danach wurde gemeinsam aufgeräumt und nach weniger als einer halben Stunde war der Saal leer und geputzt. Sehr cool.
Ich bedanke mich bei allen, die dieses Wochenende mitgemacht haben. Es fühlt sich immer wie ein Stück – sehr anstrengender – Kurzurlaub an. Außerhalb des Workshops gibt es nichts und man lebt in dieser kleinen Gruppe zusammen. Das macht richtig viel Spaß. Deswegen habe ich bereits für die nächsten beiden Jahre das Karnevalswochenende im Gilwell fest gebucht. Was wir dann nähen, werden wir noch sehen. Mit „Mehr Meer“ machen wir jetzt wirklich mal eine Pause. Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja nochmal wieder? Fertiggedacht ist das Thema in vielen Köpfen immer noch nicht – wie toll!
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